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Gibt es eine urheimische Diät und urheimisches Fasten?
Dr. Georgios Pandalis im Interview mit Urheimische Notizen (Begründer der Urheimischen Gesundheit, Geschäftsführer von Dr. Pandalis Naturprodukte und Dr. Pandalis Urheimische Medizin sowie Dozent an der Leibniz Universität Hannover)
Dr. Pandalis, ist der Begriff der Diät eigentlich urheimisch?
Nein, ganz und gar nicht! Der Begriff der Diät, der dem griechischen dίaita entlehnt ist, gilt heutzutage fälschlicherweise als ein Synonym für das Abnehmen. Dabei ist der ursprüngliche Sinn, der allgemein eine Lebensführung oder Lebensweise beschreibt, verlorengegangen. Praktisch alle heute bekannten Diäten – es sind einige tausend verschiedene! – dienen den Herstellern der Diätprodukte, den Autoren von Diätratgebern oder den Kliniken, Praxen und Institutionen, die sie einsetzen, aber sicher nicht den Anwendern.
Eine „urheimische Diät“ gibt es nicht – ganz einfach deshalb, weil eine solche in früheren Generationen nicht notwendig war. Wer mit wenig Essen am meisten Fett ansetzte, war am überlebensfähigsten. Das heutige Übermaß an Lebensmitteln, deren Geschmack häufig manipuliert ist (durch Aromen, Geschmacksverstärker etc.), führt dazu, daß uns die Wahrnehmung eines echten Hungergefühls sowie eines echten Sättigungsgefühls verlorengegangen ist.
Bedeutet das, daß wir uns auf unsere natürlichen Instinkte für die Ernährung heutzutage eigentlich gar nicht mehr verlassen können?
Durst, Appetit, Hunger oder spezielle Nährstoff-Vorlieben steuern seit Jahrmillionen unsere Nahrungsaufnahme. In den letzten 100 Jahren haben wir diese natürlichen Instinkte weitgehend verlernt und müssen wieder ein besseres Gefühl dafür entwickeln. Heutzutage wird allzu oft aus den falschen Motiven gegessen und getrunken: Langeweile, Frust oder gesellschaftliche Konventionen. Früher hingegen haben die Menschen nach Bedarf gegessen. Die Arbeit auf dem Feld wurde beispielsweise nur unterbrochen, wenn das Hungergefühl zu stark war, um weiterarbeiten zu können. Es wurde das gegessen, was vorhanden war. Fleisch gab es für diejenigen, die den höchsten Energiebedarf hatten, zum Beispiel Feldarbeiter. Das führte dazu, daß die Menschen auf natürliche, „urheimische“ Art kein Übergewicht entwickelten. Belegt wird dies übrigens auch durch aktuelle Studien, die zeigen, daß das Absinken des Insulinspiegels bei längeren Pausen zwischen den Mahlzeiten, verbunden mit Hungergefühl, wichtig ist für den Fettabbau. Um ein richtiges Hungergefühl für mindestens 1 Stunde zu spüren, kommen wir bei unseren „modernen Sitztätigkeiten“ in der Regel mit 2 Mahlzeiten am Tag aus. Das gleiche gilt natürlich auch für das Durstgefühl. Zu einem guten Essen gehört ein Getränk. Am urheimischsten ist frisches Quellwasser, aber natürlich auch hier nur dann, wenn wirklich ein Durstgefühl verspürt wird. Auch ist nicht auszuschließen, daß ein solches Durstgefühl, das wir über einen kurzen Zeitraum empfinden, ebenfalls einen Effekt auf unser Gewicht hat. So können wir es im Tierreich bei den Kamelen beobachten, die über den Durst die Fettverbrennung ankurbeln.
Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang bekannte Regeln wie „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König, Abendessen wie ein Bettler“ oder aktuelle Ernährungsempfehlungen von offizieller Seite?
Die Weisheit Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König, Abendessen wie ein Bettler widerspricht dem früheren Lebensrhythmus. Da mit vollem Bauch schlecht gearbeitet werden kann (geistig wie körperlich), war es früher eher üblich, morgens eine Kleinigkeit – wie zum Beispiel Reste vom Vortag – und dann abends gemeinsam eine größere Mahlzeit einzunehmen. Noch fataler als derartige Regeln sind unsinnige offizielle Empfehlungen, wie sie beispielsweise von der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) proklamiert werden. Diese empfiehlt, die täglich aufgenommene Trinkmenge von 1,5 Litern über den Tag verteilt aufzunehmen – noch bevor ein Durstgefühl auftritt. Hierfür gibt es keinerlei wissenschaftliche Grundlage! Im Gegenteil: Aus der Sportmedizin ist bekannt, daß über das Durstgefühl hinaus erzwungenes Trinken sogar zu schweren gesundheitlichen Störungen führen kann.
Gibt es eine Form des UrheimischenFastens?
Ja, die gibt es. Urheimisches Fasten erfolgt dabei fast immer vor einem religiösen Hintergrund. Es darf auf keinen Fall um totalen Verzicht oder totale Änderungen gehen. Oberste Regel: Man soll während des Fastens nicht leiden! Bei den Mönchen war es zum Beispiel nicht erlaubt, zu fasten, wenn eingeladen wurde. Aus diesem Grund luden sich die Mönche einfach immer wieder gegenseitig ein. Auch wissen wir von einem unserer wissenschaftlichen Berater, dem Medizinhistoriker Prof. Dr. Dr. Dr. Keil, daß die Kirche in früheren Zeiten während des Fastens sehr entgegenkommend war. So wurde der Speck als „Pflanzennahrung“ definiert und da auch Käse erlaubt war, „erfand“ man kurzerhand den Leberkäse.
Viele Menschen haben ein rein bauchbetontes Übergewicht. Kann man diese Form des Übergewichts auch durch Fasten reduzieren?
Keineswegs. Der Bauch mit dem viszeralen Fett („Bauchspeck“) bleibt solange erhalten, bis die Darmbesiedlung unserer Bakterien wieder ihre autochthone (ursprüngliche) Zusammensetzung erreicht hat. Das funktioniert, indem man die Verdauungssäfte und die Darmmotilität (Bewegung) in Gang bringt oder der resignative Streß, der Hauptverursacher des bauchbetonten Übergewichts, abgebaut wird.
Sollte man während des urheimischen Fastens etwas beachten?
Selbstverständlich. Das Fasten vor dem Osterfest fällt zum Beispiel zusammen mit dem Sprießen der ersten Lauchkulturen. Das in Südeuropa übliche Fasten besteht hauptsächlich aus Oliven, grünem Lauch von Wildzwiebeln, Brot, Bohnensuppe ohne Fleischeinlage und Tintenfisch am Wochenende. In Mitteleuropa analog dazu Brot, Bärlauch*, Fisch (grüne Heringe) anstelle von Fleisch, Eintöpfe ohne Fleischeinlage sowie Struven zu Karfreitag. Insgesamt ist die südeuropäische Fastenkultur strenger als die mitteleuropäische. Es ist übrigens sehr sinnvoll während der Fastenzeit vermehrt Lauch zu genießen. Die ausgeschwemmten Giftstoffe müssen schließlich gebunden und entfernt werden, was durch Lauch gefördert wird.
* Bärlauch ist seit dem Beginn unserer Erforschung vor über 20 Jahren in Deutschland sehr in Mode gekommen. Doch nicht alle Bärlauch-Provenienzen sind reich an Schwefel in reduzierter Form. Besonders gehaltvollen Bärlauch verarbeiten wir zu Granulat.
(Bell S et al., Max Rubner-Institut, 2008; DGE-Info Juni 2010; McKiernan F et al., Journal of the American Dietetic Association, 2009)
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