Wie wahr: Das Alter hat auch seine Vorteile

Gedanken wie diese spielen in der heutigen Zeit kaum noch eine Rolle. Anstatt zu Falten und grauen Haaren zu stehen, beugen sich auch alte Menschen dem Zeitgeist und legen sich für ein jugendhaftes Aussehen unters Messer. Weisheit und Lebenserfahrung erscheinen obsolet – doch wo kommen wir hin, wenn diese Qualitäten nicht mehr gefragt sind? Die Antwort kann sich jeder selbst geben, der mit offenen Augen durch die Welt geht und den derzeitigen Zustand der Gesellschaft analysiert. Ohne das kritische Denkvermögen und den klugen Rat der älteren Generation kommen wir aus der aktuellen Misere, in der Dummheit, Ignoranz, Gier und Größenwahn die Oberhand haben, kaum noch heraus. Anstatt sich also zum alten Eisen zu erklären, wäre es besser, auf die Vorteile zu schauen, die sich durch die wachsende Zahl an Lebensjahren ergeben.

Denn die Aussage Platons, nach der der Geist des Auges erst dann anfängt, scharf zu sehen, wenn das Auge des Leibes seine Schärfe verliert, enthält eine elementare Botschaft: Wenn das Äußere in den Hintergrund tritt, bietet sich die Gelegenheit, das Wesentliche im Leben zu erkennen. Dazu gehört auch der Tod. Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit ermöglicht es uns, Prioritäten zu setzen und Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden – eine Fähigkeit, die uns gelassen und zufrieden macht und die der jüngeren Generation eine große Hilfe sein kann.

Abgesehen davon können wir aber auch einiges dafür tun, daß uns unser Körper im Alter nicht im Stich läßt. So gibt es eine Reihe von körpereigenen Prozessen, die dazu beitragen, daß wir das Alter in guter körperlicher und geistiger Verfassung genießen können (siehe UHN 3/24 „Gesund alt werden“). Eine wichtige Rolle spielen dabei auch bestimmte Eiweißstoffe, die Sirtuine. Diese multifunktionalen Enzyme sind an einer Vielzahl von zellulären Prozessen beteiligt und tragen einen richtungsweisenden Beinamen: Langlebigkeitsproteine. Sie beeinflussen unter anderem den Glucose- und Lipidstoffwechsel, die Mitochondrienproduktion, die Apoptose (Zelltod), die Reparatur der DNA und schützen vor oxidativem Streß – kurzum: Sie sind die stillen Helfer unseres Körpers, die den Alterungsprozeß verlangsamen und die Energie der Zellen bewahren können.

Da Sirtuine außerdem die Vernetzung der Nervenzellen (synaptische Plastizität) verbessern und sogar die Bildung neuer Nervenzellen unterstützen, sind sie ein wichtiger Faktor für die Gehirngesundheit und könnten vor altersbedingten neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz oder Parkinson schützen [1]. Degenerative Krankheitsbilder des Gehirns gehören zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu den größten Bürden des Alterns – was nicht nur an der steigenden Lebenserwartung liegt. In vielen Fällen ist es weniger das Alter selbst, sondern eher die Lebensweise (falsche Ernährung, Medikamentenkonsum, Dauerstreß) und Umweltbelastungen, die unserem Gehirn schaden. Kein Wunder also, daß inzwischen auch immer mehr junge Menschen von Gedächtnisproblemen oder degenerativen Gehirnerkrankungen betroffen sind [2].