Die Stimme des Volkes wird ignoriert

Die alten Griechen haben uns viele Errungenschaften mit auf den Weg gegeben. Dazu gehört auch die Demokratie. Sie wurde 508 v. Chr. in Athen mit dem Ziel eingeführt, Tyrannenherrschaften zu verhindern und die Macht auf das Volk zu übertragen. Zumindest zu einem gewissen Teil. Die Athener Demokratie (von „demos“: Staatsvolk und „kratos“: Gewalt, Macht, Herrschaft) war eine direkte, unmittelbare Herrschaft des Volkes. Ohne Parlamente und Parteien. Zur Volksversammlung, auf der alle Entscheidungen gefällt wurden, waren nur volljährige, männliche Bürger zugelassen. Frauen, Sklaven und dauerhaft in der Stadt lebende Fremde blieben außen vor.

Heute ist der Kreis der Wahlberechtigten zwar größer, der unmittelbare Einfluß des Wählers aber begrenzt. Existentielle Fragen wie Krieg oder Frieden zum Beispiel werden nicht direkt vom Volk entschieden, sondern von „Volksvertretern“ oder Staatsführern, die sich anmaßen zu wissen, was für uns das Beste ist. In Europa gibt es zusätzlich zu den nationalen Regierungen noch eine Institution wie die EU, in der entscheidende Gremien wie Kommission und Ministerrat auch nicht direkt von den EU-Bürgern gewählt werden – kein Wunder, daß der Name „Brüssel“ inzwischen als Synonym für ein weit entferntes Machtzentrum gilt, das sich um die Stimme des Volkes nur wenig schert.

Wer nach Belegen sucht, wird an einigen Stellen fündig. So etwa im Jahr 2018, als die EU eine Bevölkerungs-Umfrage zum Thema Zeitumstellung durchgeführt hat [1]. Die Beteiligung war rege, das Ergebnis klar: Über 80 Prozent der insgesamt 4,6 Millionen Teilnehmer votierten dafür, die 1996 von der EU eingeführte Zeitumstellung wieder abzuschaffen. Seither wird das Thema in Brüssel auf die lange Bank geschoben und das Votum der Bürger ignoriert.

Ende März sollen die Uhren in Deutschland also wieder auf Sommerzeit umgestellt werden – für unseren Körper ist das nicht marginal. Durch die Zeitumstellung gerät unsere „innere Uhr“ durcheinander und kann vor allem bei Menschen, die vorbelastet sind, ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. Aber auch bei Gesunden wird der circadiane Rhythmus – der 24-Stunden-Zyklus, der unsere biologischen Funktionen steuert – empfindlich gestört. Beim Wechsel von Winter- zur Sommerzeit stehen die Menschen eine Stunde früher auf, während die Morgendämmerung erst später beginnt – das führt zu einem Konflikt mit den natürlichen Lichtzyklen und verzögert die Anpassung der inneren Uhr. Eine Folge sind Schlafdefizite, die das Herzinfarkt-Risiko deutlich steigern können [2]. Auch ein vermehrtes Auftreten von Schlaganfällen, Depressionen und Autounfällen kann laut Studien der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin in den Tagen nach der Zeitumstellung beobachtet werden [3].