Wenn Bilder die Realität verzerren

Daß bildgebende Verfahren oft nicht der Weisheit letzter Schluß sind, haben viele Patienten und Therapeuten bereits am eigenen Leib erfahren. Eine finnische Studie bestätigt nun dieses Phänomen [1]. Demnach wiesen nahezu alle Probanden (99 Prozent) mindestens eine Veränderung an der Rotatorenmanschette auf, also an den Sehnen und Muskeln, die das Schultergelenk stabilisieren und bewegen. Die MRT-Bilder konnten kaum zwischen Menschen mit und ohne Schulterbeschwerden unterscheiden. So zeigten auch völlig schmerzfreie Schultern häufig Risse. Mit anderen Worten: Wer Schmerzen hat, muß keinen Riß haben und wer einen Riß hat, muß keine Schmerzen haben. Vielmehr sind viele dieser Veränderungen normale Alterserscheinungen. Das bedeutet: Ein MRT-Befund allein rechtfertigt keine invasiven Behandlungen wie Operationen oder Injektionen. Denn wer einen Befund zur Diagnose erklärt und daraufhin behandelt, therapiert womöglich das falsche Problem.

[1] MMW Fortsch Med. 2026, 168 (6), S. 11 Fast alle über 40 haben Schulteranomalien