Der Mensch und die Natur – das ist eine immer komplizierter werdende Beziehung. Denn inzwischen haben viele Menschen nicht nur jegliche Achtung und jeglichen Respekt vor Flora und Fauna verloren. Sie zeigen sogar negative Gefühle wie Angst und Ekel. „Biophobie“ nennen das die Forscher der Universität Lund, die das Thema Mensch und Natur unlängst in einer Meta-Analyse von knapp 200 Studien beleuchtet haben [1]. Demnach sind es – wen wundert es – vor allem Stadtbewohner, die der Natur zunehmend mit gemischten Gefühlen begegnen. Grund dafür sind fehlende Erfahrungen, die unter anderem zu Gleichgültigkeit gegenüber der Verschlechterung von Ökosystemen führen. Alles in allem stellt die Analyse eine weltweite Zunahme der „Biophobie“ fest – unabhängig von Alter und Kultur. Das hat auch für die Sicht auf Wildtiere oder Pflanzen Folgen: Naturscheue, biophobe Menschen sind gegenüber Naturschutzmaßnahmen häufiger skeptisch eingestellt.
Deshalb ist es für die meisten Menschen auch kein Problem, daß der bisher streng geschützte Wolf, der seit Beginn des Jahrtausends in Deutschland wieder heimisch ist, Anfang März ins Jagdrecht aufgenommen wurde und damit wieder gejagt werden darf [2]. Die Angst vor „Isegrim“ wurde uns schließlich schon im Kindesalter eingebläut, denn in Fabeln und Märchen ist der Wolf nun einmal der Inbegriff des Bösen. Dabei hat er für unser Ökosystem eine wichtige Funktion. Der Wolf gilt als „Gesundheitspolizei“ des Waldes, weil er überwiegend kranke und schwache Tiere reißt und auf diese Weise dafür sorgt, daß die Populationen von Pflanzenfressern stark und gesund bleiben.
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