Suchtgefühle auf Rezept

Gesundheitsminister kommen und gehen, die wichtigen Themen aber bleiben. Aus Sicht der Politik ist das eindeutig: Sparen. Und weil der Faktor Mensch in einem Wirtschaftssystem wie dem unseren nun einmal zu teuer ist (heißt es jedenfalls), wird der persönliche Kontakt zwischen Arzt und Patient zunehmend durch vermeintlich billigere digitale Alternativen ersetzt – erstaunlich, daß die Verantwortlichen immer dort Sparpotential entdecken, wo es um menschliches Miteinander geht.

Seit das Digitale-Versorgung-Gesetz 2019 digitalen Lösungen im Gesundheitswesen Tür und Tor geöffnet hat, gibt es für fast jedes Leiden eine App auf Rezept – von Angststörung bis Tinnitus [1]. Damit nicht genug. Künftig sollen digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) laut dem 2024 verabschiedeten Digital- Gesetz sogar „komplexere Behandlungsprozesse“ abdecken [2].