Genschere statt natürlicher Evolution

Aussäen, pflanzen, ernten, Saatgut einbehalten und im nächsten Jahr wieder aussäen – der natürliche Ablauf, der in der traditionellen Landwirtschaft gängige Praxis war, ist in den vergangenen Jahrzehnten kräftig unter die Räder gekommen. Statt dessen wurde die Natur mit Hilfe von Wissenschaft und Technik quasi vergewaltigt. Ein Ergebnis ist unter anderem hybrides Saatgut, das hohe Erträge und damit mehr Einnahmen verspricht. Daß dabei die Nährstoffdichte von vielen Gemüsesorten auf der Strecke bleibt, ist – neben der Abhängigkeit der Bauern von Saatgutkonzernen – eine der Folgen dieser Entwicklung. Anstatt innezuhalten und zu den Ursprüngen zurückzukehren, soll es jetzt munter weitergehen: Künstliche Intelligenz und Gentechnik sind die Mittel der Wahl, um natürliche Prozesse der Pflanzen zu verstehen, nachzuahmen und die Nährstoffe künstlich wieder hinzuzufügen – mit ungewissen Folgen für die menschliche Gesundheit [1, 2]. Wer dachte, daß die Abkehr von der Schöpfung ihren Höhepunkt erreicht hat, sieht sich eines Besseren belehrt: Die Hybris des Menschen scheint grenzenlos.

[1] https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2024.1420938/full
[2] https://www.faz.net/aktuell/wissen/weniger-eisen-und-zink-in-modernen-weizensorten-
110664849.html