Um Sirtuine zu aktivieren und damit das Gehirn zu schützen, ist neben körperlicher Bewegung und ausreichend Schlaf vor allem die Ernährung entscheidend. Denn die Wahl der richtigen Lebensmittel beeinflußt die Arbeit der Langlebigkeitsproteine. An erster Stelle steht dabei urheimisches Obst und Gemüse, denn es enthält die für die Aktivierung der Sirtuine notwendigen sekundären Pflanzenstoffe, die Polyphenole. Besonders gute Polyphenollieferanten sind Spinat, Brokkoli, Sellerie, Weintrauben und Äpfel, aber auch Kaffee und Cistus incanus L. Pandalis. Die sekundären Pflanzenstoffe aktivieren Sirtuine auf mehreren Ebenen: Sie erhöhen die Menge an Nicotinamidadenindinukleotid (NAD+), dem essentiellen Co-Faktor, den die Langlebigkeitsproteine für ihre Aktivität brauchen und kurbeln so ihre eigene enzymatische Funktion an. Gleichzeitig reduzieren sie oxidativen Streß und optimieren verschiedene Stoffwechselwege, die die gesundheitsfördernden Effekte der Sirtuine verstärken [3, 4].
Daß Ernährung und Lebensführung auf den Altersprozeß tatsächlich einen großen Einfluß haben, sagt nicht nur Aristoteles, sondern auch eine Studie, die 2021 im Fachmagazin Aging veröffentlicht wurde. Dazu wurden gesunde Männer im Alter zwischen 50 und 72 Jahren beobachtet, die die Vorgabe hatten, mindestens sieben Stunden pro Tag zu schlafen, sich täglich mindestens 30 Minuten zu bewegen, regelmäßige Atemübungen durchzuführen und eine nährstoffreiche Ernährungsweise zu befolgen, die aus viel Gemüse sowie wenig tierischen Eiweißen und Kohlenhydraten bestand.
Nach acht Wochen zogen die Forscher Bilanz. Das Ergebnis: Das epigenetische Muster in der DNA der Probanden hatte sich deutlich verändert; sie waren im Schnitt 1,96 Jahre jünger geworden, während die Teilnehmer einer Vergleichsgruppe mit unverändertem Lebensstil im gleichen Zeitraum um 1,27 Jahre gealtert waren [5].
Darüber hinaus tragen aber auch soziale Kontakte dazu bei, den Alterungsprozeß zu verlangsamen. Der Grund: Bei der Interaktion mit anderen Menschen setzt der Körper das Bindungshormon Oxytocin frei, das ebenfalls die Sirtuinaktivität im Körper erhöhen kann [6]. Durch gute Kontakte in die Nachbarschaft oder ehrenamtliche Tätigkeiten verbinden sich soziale Tugenden und Biologie: Menschen, die Gutes tun, fördern gleichzeitig auch ihre zelluläre Gesundheit und das Wohlbefinden. Auch moderate Reize wie das gelegentliche Auslassen einer Mahlzeit, kurzzeitiges Barfußgehen im Winter oder das bewußte Aushalten von scharfem Essen haben einen positiven Einfluß auf die Aktivierung von Sirtuinen.
Auf unsere körperliche und geistige Gesundheit zu achten, ist, wenn wir uns Aristoteles’ Worte über das Alter vor Augen führen, nicht nur für uns, sondern auch für die Gesellschaft wichtig. Und unser Gehirn reagiert auf altersbedingte Veränderungen besonders empfindlich. Da es aber mehr Zellen besitzt als für die Normalfunktion nötig sind, kann es einen alters- oder krankheitsbedingten Zellverlust ein Stück weit ausgleichen. In bestimmten Gehirnarealen wie dem Hippocampus werden in begrenztem Umfang sogar immer wieder neue Nervenzellen produziert. Außerdem paßt es sich auch im Alter stetig an neue Gegebenheiten an. Wer uns also einreden will, daß Alter ein behandlungsbedürftiger Zustand ist, der mit Eingriffen in unser Erbgut korrigiert werden muß, hat im besten Fall keine Ahnung von Biologie. Im schlechtesten Fall böse Absichten [7, 8].
[1] Braidy N, Jayasena T, Poljak A, Sachdev PS. Sirtuins in cognitive ageing and Alzheimer’s disease. Curr Opin Psychiatry. 2012 May;25(3):226–30. doi:10.1097/YCO.0b013e32835112c1
[2] Wong KH, Anderson CD, Peterson C, Bouldin E, Littig L, Krothapalli N, et al. Rising cognitive disability as a public health concern among US adults: trends from the Behavioral Risk Factor Surveillance System, 2013–2023.
Neurology. 2025;105(8):e214226. doi:10.1212/WNL.0000000000214226
[3] Wu QJ, Zhang TN, Chen HH, Yu XF, Lv JL, Liu YY, Liu YS, Liu FH, Chang Q, Zhang YX, Liu CG, Zhao YH. The sirtuin family in health and disease. Signal Transduct Target
Ther. 2022 Dec 29;7:402. doi:10.1038/s41392-022-01257-8
[4] Gu J, Chen L, Bao Y, Yang X, Chen X, Han Z, Zhou Y, Deng X, Li Y, Ran J. Ultraprocessed food intake and brain health in middle-aged and older adults. J Nutr
Health Aging. 2025 Oct;29(10):100644.doi:10.1016/j.jnha.2025.100644
[5] Fitzgerald KN, Hodges R, Hanes DJ, Stack E, Cheishvili D, Szyf M, Henkel J, Twedt MW, Giannopoulou D, Herdell J, Logan S, Bradley R. Potential reversal of epigenetic age using a diet and lifestyle intervention: a pilot randomizedclinical trial. Aging (Albany NY). 2021
Apr 12;13(7):9419–9432. doi:10.18632/aging.202913
[6] https://www.researchgate.net/publication/
387759282_Molecular_Crossroads_An_Expansive_Review_of_Oxytocin‘s_Impact_on_SIRT1_Activation_and_Implications_ for_Health_Oxytocin_and_SIRT1.
[7] Na D, Zhang Z, Meng M, Li M, Gao J, Kong J, Zhang G, Guo Y. Energy metabolism and brain aging: strategies to delay neuronal degeneration. Cell Mol Neurobiol.
2025;45(4):1188839. doi:10.3389/fnins.2025.1188839
[8] Melo Dos Santos LS, Trombetta-Lima M, Eggen BJL, Demaria M. Cellular senescence in brain aging and neurodegeneration. Ageing Res Rev. 2024 Jan;93:102141. doi:10.1016/j. arr.2023.102141
