Die Evolution ist langsamer als der kulturelle Wandel

Daß sich auch der Magen meldet, wenn unser Streßpegel dauerhaft erhöht ist, hängt ebenfalls mit dem Kampf- und Fluchtreflex zusammen. Da die Verdauung in dieser Situation nicht zu den lebenswichtigen Funktionen gehört, werden weniger Verdauungssäfte produziert und die Nahrung bleibt länger im Magen. Die Folge sind Völlegefühl und Übelkeit. Außerdem fördert Streß die Bildung von Magensäure, während der zunehmende Cortisol-Spiegel die Produktion von Magenschleim reduziert. Damit wird, bei gleichzeitiger Belastung, die natürliche Schutzbarriere des Magens geschwächt [3].

Auch Magensäure ist grundsätzlich eine Schutzfunktion unseres Körpers, die wir als solche nicht mehr erkennen. Denn sie hat, ebenso wie der Cortisol- Anstieg in Gefahrensituationen, eine wichtige Aufgabe: Sie soll uns vor potentiell gefährlichen Nahrungsquellen bewahren. Bei unbekannten Nahrungsmitteln zum Beispiel produziert der Körper verstärkt Magensäure, um sich gegen schädliche Substanzen zu wappnen. Das funktioniert jedoch nur dann zuverlässig, wenn wir uns hauptsächlich von den Dingen ernähren, die unser Körper evolutionär gewohnt ist (urheimisches Prinzip). Der heutige Lebenswandel tut aber auch hier sein Übriges. Übermäßiger Kaffeekonsum, Genußgifte wie Alkohol und Nikotin oder auch stark verarbeitete  Nahrungsmittel lösen eine erhöhte Magensäureproduktion aus. In der Folge können sich Beschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit einstellen. Auch Reizhusten oder Heiserkeit haben mitunter ihre Ursache in einem Überschuß an Magensäure.

Damit wird deutlich: Natürliche Schutzfunktionen wie der Kampf- und Fluchtreflex bleiben uns auch bei veränderten Lebensbedingungen erhalten. Heute gibt es zwar keinen Säbelzahntiger mehr, dafür aber eine Vielzahl anderer Reize, auf die unser Körper reagiert. Das Problem: Angesichts der Masse kann der Organismus wichtige von unwichtigen Signalen kaum mehr unterscheiden. Er reagiert, aber nicht mehr angemessen. Und da die biologische Evolution in diesem Fall langsamer ist als der kulturelle Wandel („evolutionäres Mismatch“) [4], können die in uns angelegten Schutzfunktionen wie der Kampf- und Fluchtreflex zum Problem werden. Mit anderen Worten: Wir leben in einer Welt, für die wir biologisch nicht gemacht sind, und wundern uns über die Konsequenzen.

Die Lösung heißt: Nicht unterdrücken, sondern verstehen

Deshalb müssen wir selbst dafür Sorge tragen, daß uns die natürlichen Reaktionen unseres Körpers nicht zum Nachteil gereichen. Denn viele Beschwerden sind eben keine Fehlfunktionen, die medikamentös behandelt werden müssen, sondern überforderte Schutzmechanismen. Anstatt diese zu unterdrücken, tun wir gut daran, die Ursache zu erkennen. Die Konsequenz ist naheliegend, für so manchen aber unbequem: Nicht der Körper muß sich anpassen, sondern unser Lebensstil. Dazu gehört neben Streßreduktion und bewußten Erholungsphasen auch eine ausgewogene, urheimische Ernährung mit vielen natürlichen Bitterstoffen (wie Waldwegwarte, Löwenzahn, Wild-Artischocke, alle enthalten in Urbitter® Bio Granulat, Tee und Kautabletten).

Außerdem haben wir, wenn wir die prache unseres Körpers nicht mehr euten können, immer noch unseren erstand. „Die Natur hat gewollt, daß er Mensch alles, was über die mechanische nordnung seines tierischen aseins geht, gänzlich aus sich selbst erausbringe und keiner anderen lückseligkeit oder Vollkommenheit eilhaftig werde, als die er sich selbst, rei von Instinkt, durch eigene Vernunft erschafft hat“, hielt der Philosoph mmanuel ant (1724 – 1804) in seinem 784 erschienenen Werk „Idee zu einer llgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher bsicht“ fest. Die eigentliche Herausforderung nserer Zeit liegt deshalb enau darin: Wir sollten wieder lernen, en eigenen Körper zu verstehen, bevor ir versuchen, ihn zu korrigieren. Denn er Körper macht seine Arbeit längst. ie Frage ist nur, wann wir damit nfangen, unseren Part zu übernehmen.

[1] McEwen BS. What Is the Confusion With Cortisol? hronic Stress. 2019;3:2470547019833647.oi:10.1177/2470547019833647

[2] Marzell H. Wegwarte. In: HWdAgl, Band 9. Neudruck. erlin; 1987. Col. 227–235

[3] https://natuerlich.thieme.de/natuerlich-gesund/detail/ tress-im-kopf-stress-im-magen-4817

[4] Manus MB. Evolutionary mismatch. Evol Med Public ealth. 2018;2018(1):190–191. doi:10.1093/emph/eoy023