Die Lösung: Komfortzone verlassen

Es gibt jedoch einen natürlichen Hebel, mit dem sich das Belohnungssystem bei seiner Rückkehr ins Gleichgewicht unterstützen läßt: bittere Geschmacksnoten, wie sie etwa in Löwenzahn, Waldwegwarte oder Artischocke (alle enthalten in Urbitter®) zu finden sind. Bitterrezeptoren sitzen nicht nur auf der Zunge, sondern im gesamten Verdauungstrakt. Werden sie aktiviert, schütten Darmzellen Sättigungshormone wie GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) und CCK (Cholecystokinin) aus, die über den Vagusnerv ans Gehirn geleitet werden [9]. Im Nucleus accumbens dämpft GLP-1 die Aktivität der dopaminproduzierenden Zellen und schwächt so Heißhunger und Suchtdruck – nicht nur bei Nahrungs-, sondern auch bei Genußmitteln wie Alkohol und Nikotin [10]. Die Spanne zwischen Erwartung und Belohnung wird dadurch Urheimische Notizen Wir erforschen 3 / 2026 Seite 4 sukzessive wieder größer und die Dopamin- Rezeptoren können sich erholen.

Auch das Durchbrechen von Routinen hilft uns dabei, gestörte Regelkreise wie das Belohnungssystem wieder in Balance zu bringen. Anstatt sich beispielsweise nach dem Aufstehen sofort die gewohnte Tasse Kaffee zu genehmigen, kann der Gang nach draußen einen neuen Impuls setzen. Das helle Morgenlicht aktiviert Zellen in der Netzhaut, die einen direkten Signalweg zum dopaminproduzierenden Bereich des Gehirns öffnen. So regt es die Dopamin-Produktion an.


Auch das gelegentliche Auslassen einer Mahlzeit ist ein moderater Mangelreiz, der die Empfindlichkeit des Belohnungssystems wieder erhöhen kann [11]. Damit wird deutlich: Das Spiel mit unserem Verlangen ist zwar perfide, doch wer die Mechanismen erkennt, kann das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen. Wir müssen nur den ersten Schritt machen und unsere Komfortzone verlassen – dann beißen die Manipulatoren auf Granit.